Dienstag, 23. Januar 2007

Giordano Bruno 1548 - 1600

Das Leben des Giordano Bruno
giordano bruno

1548 wurde Philippo Bruno in Nola (nahe Neapel) Italien, geboren. Mit 15 wurde er Dominikanermönch, im Kloster nahm er den Ordensnamen Giordano Bruno an. Man nannte ihn auch nach seiner Heimatstadt "den Nolaner". Er erhielt 1572 die Priesterweihe und studierte Theologie. Doch er geriet bald in Konflikt mit der Klosterleitung, da er die christliche Heiligen- und Marienverehrung und die kirchlich eingeengte Lehre ablehnte. Seinen Kommilitonen riet er, sie sollten auch andere als die vorgegebenen Bücher lesen. 1576 musste er nach Rom reisen um sich dort wegen seiner Ansichten rechtzufertigen. Er wurde der Ketzerei verdächtigt. In seiner Abwesenheit fand man Bücher, die er vor der Abreise versteckt hatte, darunter waren Werke von Chrysostomos und Hieronymus mit Anmerkungen des Erasmus von Rotterdam und noch einige verbotene Bücher.

Seine Reise nach Rom wurde zur Flucht. Ein endgültiger Bruch mit dem Orden und der Kirche folgte. Giordano Bruno gab vorerst Privatvorlesungen, z.B. in Astronomie. Er führte ein unstetes Wanderleben und bereiste viele Länder Europas. Seine erste Station war Genf. In Genf herrschten die Calvinisten mit ähnlicher Strenge wie in seiner Heimat die Katholiken. Nach Problemen und Haft wegen einer philosophischen Streitschrift musste er Genf verlassen. Sein Weg führte ihn nach Toulouse, Paris, London, Wittenberg, Prag, Helmstedt, Frankfurt..... Fast überall übte er Lehrtätigkeit aus und verfasste mehrere Schriften.

Er bewarb sich um einen Lehrstuhl an der Universität Padua, den er jedoch nie erhielt.


Das Todesurteil

Vielleicht aus Heimweh kam Giordano Bruno 1592 einer Einladung nach Venedig nach, die von Giovanni Mocenigos ausgesprochen wurde. Der reiche Venezianer wollte sich von Giordano Bruno in Gedächtnislehre unterrichten lassen, war jedoch unzufrieden, da er auch eine Einführung in die Geheimnisse der Magie erhoffte.
Aus Enttäuschung denunzierte er ihn bei der Inquisition.

Giordano Bruno wurde im Mai 1592 verhaftet und 1593 nach Rom ins Gefängnis des heiligen Offiziums (Engelsburg) überstellt. Nach endlosen Verhören und grausamen Folterungen wurde er am 8. Februar 1600 zum Tode auf dem Scheiterhaufen verurteilt. Nach Verlesung des Urteils sagt Giordano Bruno zu den anwesenden Kardinälen: "Mit größerer Furcht verkündet ihr vielleicht das Urteil gegen mich, als ich es entgegennehme!" Giordano Bruno wurde am 17. Februar 1600 am Campo dei Fiori in Rom öffentlich verbrannt.

Ein Augenzeuge der Hinrichtung, Kaspar Schoppe, berichtet:

"Heute also ist er zum Scheiterhaufen oder Brandpfahl geführt worden. Als hier dem schon sterbenden das heilige Kruzifix vorgehalten wurde, wandte er mit verachtender Mine das Haupt. (anm: man hielt ihm an einem langem Stab das Kreuz hin, die Kirchenmänner wollten, daß er es küsste) Er sah bleich und blass aus, offenbar geschwächt von dem Blutverlust, den er durch die vergangenen Marterungen erlitten hatte. Seine Arme hingen wie leblos herunter. Man hatte sie aus den Gelenken gerissen, als man ihn über das Rad geflochten hatte. Nicht genug damit, die furchtbaren Marterwerkzeuge hatten an vielen Stellen das Fleisch bis auf die Knochen heruntergeschabt"

Giordano Bruno wurde die Zunge nur festgebunden, weil er schon sehr schwach war, normalerweise wurde den Opfern die Zunge herausgerissen, damit sie nicht das Wort an die Anwesenden richten können.


Reaktionen der Kirche

50 Kardinäle waren versammelt um den Festlichkeiten des Jubiläumsjahres der Kirche beizuwohnen, wobei die öffentliche Verbrennung des abtrünnigen Mönches einen wichtigen Bestandteil des "Festes" dastellte, als buntes Spektakel, als Demonstration der kirchlichen Macht und als Abschreckung.

Zwei Tage später las man in der römischen Zeitung "Avisi di Roma":

"Am Donnerstagmorgen wurde auf dem Campo dei fiori jener verbrecherische Dominikanermönch aus Nola lebendig verbrannt. Er war ein sehr hartnäckiger Ketzer, der nach seiner Laune verschiedene Dogmen gegen unseren Glauben ersonnen hatte, und zwar insbesondere gegen die heilige Jungfrau und die Heiligen. Dieser Bösewicht wollte in seiner Verstocktheit dafür sterben, und er sagte, er sterbe als Martyrer und er sterbe gern und seine Seele werde aus den Flammen zum Paradies emporschweben. Aber jetzt wird er erfahren, ob er die Wahrheit gesagt hat!"

Am 9. Juni 1889 wurde an der Stelle, wo Giordano Bruno verbrannt wurde, ein Denkmal enthüllt.
Die Kirche versuchte die Hinrichtung und ihre Beteiligung an seinem Tod abzustreiten, sie bezeichneten alle diesbezüglichen Dokumente als Fälschungen! Es gab schon zu viele Hinweise und Einträge in Chroniken, als das man diese vernachlässigen könne. Als dann auch kirchliche Dokumente auftauchten, musste die Kirche die historischen Tatsachen eingestehen.

Der Vatikan versuchte vergeblich das Denkmal zu verhindern bzw. es beseitigen zu lassen. Als dies nicht gelang, wurde einer der wichtigsten Unterzeichner des Todesurteiles gegen Giordano Bruno, nämlich Kardinal Bellarmin, 1930 heilig gesprochen! Sehr viele sehen darin eine hilflose Trotzreaktion von Seiten der Kirche. (Es war derselbe Bellarmin, der 11 Jahre später das Strafverfahren gegen Galilei einleitete.)

Giordano Bruno wurde übrigens bis heute nicht von der Kirche rehabilitiert.


Seine Gedankenwelt

Die Menschen dachten damals, die Sterne und Planeten sind an verschieden großen Kristallschalen angebracht und drehen sich mit den Schalen.

Die Lehre des Kopernikus, der behauptete, dass die Sonne das Zentrum unseres Planetensystems sei, hat schon zu viel Unruhe und Aufruhr in kirchlichen Kreisen geführt. Sein Werk landete für 150 Jahre auf dem Index.
Erst 1992 (!!!) anerkannte die Kirche, dass sich die Erde um die Sonne dreht.

Wie muss dann erst diese Behauptung von Giordano Bruno im 16. Jhdt. gewirkt haben:

"..Im Universum sind unzählige Globen wie der, auf dem wir leben und wachsen. ... Einem Körper von unendlicher Größe, wie das Universum, kann man kein Zentrum zuordnen... Demzufolge ist weder die Erde noch irgendeine andere Welt das Zentrum..."

Bei Giordano Bruno war unsere Sonne einer von vielen tausend Sternen, die nachts am Firmament standen. Sie könnten Planeten haben, so wie unsere Sonne auch. Diese Ansicht über die Welt war zu Brunos Zeit überaus kühn, um nicht zu sagen lebensgefährlich, denn es war ein krasser Widerspruch zur kirchlichen Lehre. Heute hat man schon einige Planeten anderer Sonnen entdeckt.

Giordano Bruno vertrat eine Einheits - Metaphysik, eine Lehre vom Zusammenwirken von Materie, Weltseele und universeller Vernunft. Er hatte die Vorstellung eines unendlichen Universums mit einer unendlichen Zahl von Sonnen und bewohnter Welten.
"...Das Universum ist ein einziges Kontinuum..."

"....trotzdem erscheint es unsinnig anzunehmen, irgendein Teil der Welt sei ohne Seele, ohne Leben, ohne Sinn und folglich unbelebt. Es ist ausgesprochen töricht zu glauben, es gäbe keine anderen Lebewesen, keine anderen Sinne, keine anderen Intelligenzen, als sie unseren Sinnesorganen erscheinen...."



Über die Magie


Giordano Bruno geht davon aus, das keine Seele ohne Körper sei, auch wenn wir diesen nicht sehen können, wie z.B. bei Engeln. Nichts im Universum sei ohne Seele, auch wenn im unserem Sinn nicht alles ein Lebewesen genannt wird.
Es gibt daher kein Vakuum in seiner Vorstellung des Universum, die unendliche Zahl der verschiedenen einzelnen Seelen breitet sich von ihrem Zentrum in die Unendlichkeit aus, ohne, daß sie sich gegenseitig behindern. Sie bildet ein Kontinuum mit der Weltseele, dem universalen Geist.
Jeder Körper ist beseelt, und jede Seele haftet an einem Körper. Dieses Netz von Beziehungen ermöglicht die praktische Magie, die durch die Beeinflussung der Seele auf die Materie einwirkt. Das wichtigste Organ der Wahrnehmung ist bei Giordano Bruno die Imagination, sie nimmt die äußeren Eindrücke auf und diese werden verarbeitet. Ein Magier verfeinert diese Wahrnehmung und durch das umfassende Wissen um die Zusammenhänge des Universums ist er in der Lage, Wirklichkeit zu schaffen.

Giordano Bruno war kein Magier oder Alchimist. Er interessierte sich philosophisch dafür und lehnte die Vorstellung ab, dass Magie ketzerisch oder dämonisch sein soll. Er sieht in dieser Wissenschaft die praktische Anwendung der Vorstellung von einem beseelten Universum. Alles ist mit allem verbunden, und der um diese Verbindung Wissende, der Magier, kann kreativ Wirklichkeit schaffen. Die Welt geht in das Bewusstsein, bzw. das Bewusstsein in die Welt. Es existiert ein Austausch, eine Kommunikation mit der Welt.
Er definiert den Magier als "einen weisen Menschen, der mit der Kraft zu handeln ausgestattet ist". Magie ist für ihn eine bewusst hervorgerufene Beeinflussung, und damit die Beeinflussung eines Individuums und seiner Imagination.
giordano bruno

Text by Niwi


Quellen:
Webseiten von Andrea Heil, Ursula Homann, Sabine Fröhlich
Biografie G. Bruno von Jochen Kirchhoff
Biografie G. Bruno von Richard Blum
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